»Krieg und Frieden« ist ein einzigartiger Film, der mich ins Licht des Lebens und in die Wahrheit führt. Nach dem historischen Roman »Krieg und Frieden« von Leo Tolstoi wurden schon viele Kunstwerke geschaffen, z.B. Opern, Filme und Theaterstücke. Darunter gefällt mir am besten der Film, der in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts vom sowjetischen Regisseur Sergei Bondarscuck gedreht wurde.
Den Gepflogenheiten entgegen hat diese sowjetische Fassung eine Gesamtlaufzeit von ca. 7 Stunden! Trotz der langen Spieldauer gelingt es dem Film, sein Publikum weder zu langweiligen noch anzustrengen. Dagegen besticht dieser episch lange und emotional intensiv erzählte Monumentalfilm durch Detailverliebtheit in jeder Szene! Eigentlich fällt es mir schwer, beim Anschauen eine Pause zu machen. Vielleicht würde ich irgendwann genervt aufgeben, aber ich muss unbedingt daran bleiben. Jeder Moment ist ein Gipfel, eine glänzende Schuppe eines goldfunkelnden Drachens, ein unfassbarer Rausch von Eindrücke und Gefühlen! Eine Welt der Grausamkeit und der Liebe, des Prunks und des Elends kann man mit all ihren Emotionen erfahren. Darin wechseln sich Massenschicksale und Einzelschicksale stetig ab und erwecken in einem das gesamte Spektrum der menschlichen Gefühlswelt. Der Regisseur hat es geschafft, die Personen zu sich selbst finden zu lassen. Pierre Busuchow, ein unbeholfener und naiver Graf, kennt sich am Anfang mit Krieg kaum. Urplötzlich muss er sich in einer Welt zurechtfinden, die er nicht versteht. Nicht nur auf dem Schlachtfeld sondern auch im Adel versucht er, den Weg zu sich zu finden. Andrei Bolkonski, ein anderer Held, erlebt im Krieg zahlreiche Schicksalsschläge und die Liebe zu Natascha. Endlich erkennt er vor dem Tod die Wahrheit des Lebens und findet seinen Platz.
Überzeugt hat mich auch die Art und Weise, in der Blicke, Gesten, Benehmen und Verkleidung jeder Schauspieler so vollendet betreut werden, dass man lebenslang die Erinnerungen an diese fantastischen Schauspieler nicht verdrängen kann. Daneben wird der Zuschauer von der Präsenz des gigantischen Schlachtfeldes und der wunderschönen russischen Landschaft nachdrücklich gefesselt. In dem großen Engagement der Mitwirkenden sind die feurige Leidenschaft für das Roman und der Respekt vor dem Schriftsteller Leo Tolstoi zu erkennen.
In diesem Film vergesse ich niemals das folgende Wort: „Alle Gedanken von weitgehender Bedeutung sind im Grunde immer einfach. Mein Gedanke besteht darin dass, wenn böse Menschen sich vereinen und stark sind, dann müssen gute Menschen bloß dasselbe tun. So einfach ist das.“ Falls man diese russische Version gesehen, blickt man unbedingt tief in die russische Seele und den Geist Tolstois. Es wird eine der größten filmischen Erfahrungen, die für immer im Gedächtnis bleibt.